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Charlie Chaplin sagte einmal (sinngemäß) zu seiner Tochter Geraldine: „Vergiss dein Talent, Talent haben viele. Fleißig musst du sein.“ Ergo, nur mit steter Übung schafft man`s zur Meisterlichkeit und auch mit wenig Talent kann man es durch Disziplin soweit bringen wie faule Genies. 1 % Inspiration und 99 % Transpiration (Edisons Erleuchtung). Wer nicht trainiert kann im Turnier nur auf Wunder hoffen. Klar, es geschehen noch Zeichen und Wunder, aber per definitionem eben selten. Erfolg im Turnier ist keine Aleatorik. Das Training muss den Ansprüchen genügen, die Proportionen müssen stimmen. Und der verbindende Anspruch ist, sich zu verbessern, wenngleich die Nah - und Fernziele differieren können, dürfen und sollten.

Wir haben deshalb verschiedene Übungen (Kurztraining und 1 Stunde-Trainingsplan für Tireure und für Pointeure) entwickelt, die dem eigentlichen Spiel vorgeschaltet sind. Obschon sich individuell unterschiedliche Schwerpunkte in puncto Schießer oder Leger ergeben, müssen doch Allrounder-Fähigkeiten ausgebildet werden, will man das ganze taktische Spektrum des Boule ausnutzen. Einige wenige Thesen aus dem boulistischen Kosmos enthalten die silbernen Gebote, die vor etwas längerer Zeit erarbeitet wurden und die, vorbehaltlich einiger noch nicht eingepflegter Modifizierungen mit Blick auf agressiveres tirer, die wesentliche Grundlage unserer Turnierideologie darstellen. ImageAber zurück zum Training: Freilich, nicht immer schaffen wir Konsequenz in den Übungen, weil die Lust aufs Spiel zu übermächtig ist. Doch schlimm ist das nicht, denn das wichtigste Training ist das Spiel selbst – wenn man es als solches versteht und gestaltet. Man muss die Standardsituationen nicht isoliert üben, denn sie werden im Spiel selbst geboren. Aber erkennen muss man sie, um sie gezielt einzustudieren. Es kommt nicht darauf an, das Spiel zu gewinnen sondern die einzelne Aktion. Und die einzelne Aktion ist im Training oft untaktisch – bewusst untaktisch. Und bewusstes untaktisches Verhalten lehrt indirekt auch taktisches Verhalten. Taktik ist gerade auf mittlerem bis gehobenem Niveau ein außerordentlich bedeutsamer Erfolgsfaktor. Überlegensein gelingt durch Überlegen und oft über Legen. Gegner-Analyse, Schaden-Nutzen-Relation und richtige Selbsteinschätzung etc. entscheiden vielmals über Sieg und Niederlage gegen technisch gleichstarke und bessere Gegner. Darum diskutieren wir oft die verschiedenen Varianten einer Aktion oder Re-Aktion. Wir spielen nicht gegeneinander, der agonale Charakter schwindet auf das Notwendigste, dass erforderlich ist, um den imaginären Gegner zu schlagen. Schizophrenie als Normalzustand: Freund und Feind in einer Person. Jeder Akteur weiß, auch der Rollen-Kontrahent wünscht ihm das Gelingen. Es ist unbedeutend, wer besser ist. Und wenn überhaupt: Besser mein Partner ist besser als ich, als dass der Gegner im Turnier besser ist als ich mit meinem besseren Partner ;-)

ImageNun ließe sich über Training, Taktik und Psychologie noch so vieles schreiben. Eine in vielen Punkten sehr treffende Trainingsanleitung enthält übrigens der Kleine Leitfaden für die Jugendarbeit“, der entgegen seines Betitelung auch für Erwachsene ein Vademekum sein kann. Lesenswert (wenngleich mit strukturellen Schwächen) speziell zu mentalen Trainings - und Turnierkomponenten sind auch nebenstehendes Buch „Sportpsychologie - Ein Lehrbuch in 12 Lektionen" und das Buch von Tennislegende Brad Gilbert "Winning Ugly- Wie man bessere Gegner schlägt". 

Brad Gilbert: Winning Ugly- Wie man bessere gegner schlägt

Doch was immer auch geschrieben steht. Das unruhevolle Herz schreit „Spielen, Spielen, Spielen…“. Wollen wir nicht herzlos sein…